Kampf mit der Bohnensauce
2005/10/30 10:48
Pressemeldung von:
lr-online.de
Schauspielerin Ursula Karusseit kocht mit Senftenberger Intendant
Der Intendant der Neuen Bühne Sewan Latchinian hatte zum fünften Mal zu seiner Plauder-und-Koch-Reihe geladen und diesmal war Ursula Karusseit seinem Ruf gefolgt. Die Charakterschauspielerin, bekannt aus Theaterstücken und Fernsehproduktionen wie «Wege übers Land» oder aktuell der Serie «In aller Freundschaft» , kredenzte am Donnerstag eine gefüllte Paprika mit Bohnensauce, die es in sich hatte.
Ziehen an einer Strippe: Intendant Sewan Latchinian und Ursula Karusseit mit Pürierstab in der
Der Intendant der Neuen Bühne Sewan Latchinian hatte zum fünften Mal zu seiner Plauder-und-Koch-Reihe geladen und diesmal war Ursula Karusseit seinem Ruf gefolgt. Die Charakterschauspielerin, bekannt aus Theaterstücken und Fernsehproduktionen wie «Wege übers Land» oder aktuell der Serie «In aller Freundschaft» , kredenzte am Donnerstag eine gefüllte Paprika mit Bohnensauce, die es in sich hatte.
Ziehen an einer Strippe: Intendant Sewan Latchinian und Ursula Karusseit mit Pürierstab in der
Bühnen-Küche.
Doch zunächst nimmt sie auf dem Intendantensofa oder besser gesagt -sessel Platz – dem Möbelstück, von dem ihre Mutter einst annahm, dass man dort stets lande, wenn man ans Theater geht. «Meine Eltern wollten nicht, dass ich Schauspielerin werde» , erzählt Ursula Karusseit (66) in ihrer burschikosen Art. «Aber als sie mich dann auf der Bühne sahen, haben sie sich um 180 Grad gedreht und von da an alles über mich gesammelt.» Denn eigentlich hat sie Stenotypistin und Sachbearbeiterin an der Berufsfachschule gelernt.
Doch mit der Paukerei habe sie es nie gehabt, weshalb sie einmal sitzengeblieben sei – ein gefundenes Fressen für Sewan Latchinian, der sie deshalb mit ihrer Verwechslung von ökonomischer Politik und politischer Ökonomie aufzieht. «Alles, was ich musste, habe ich nie gerne gemacht» , verteidigt sie sich. Der Saal lacht, als sie von
Doch zunächst nimmt sie auf dem Intendantensofa oder besser gesagt -sessel Platz – dem Möbelstück, von dem ihre Mutter einst annahm, dass man dort stets lande, wenn man ans Theater geht. «Meine Eltern wollten nicht, dass ich Schauspielerin werde» , erzählt Ursula Karusseit (66) in ihrer burschikosen Art. «Aber als sie mich dann auf der Bühne sahen, haben sie sich um 180 Grad gedreht und von da an alles über mich gesammelt.» Denn eigentlich hat sie Stenotypistin und Sachbearbeiterin an der Berufsfachschule gelernt.
Doch mit der Paukerei habe sie es nie gehabt, weshalb sie einmal sitzengeblieben sei – ein gefundenes Fressen für Sewan Latchinian, der sie deshalb mit ihrer Verwechslung von ökonomischer Politik und politischer Ökonomie aufzieht. «Alles, was ich musste, habe ich nie gerne gemacht» , verteidigt sie sich. Der Saal lacht, als sie von
ihrer ersten Liebe «Käpt’n Bumm» , einem Seemann, erzählt. Doch ihr späterer Mann wurde der Schweizer Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter Benno Besson. Ursula Karusseit erzählt von ihren Engagements an der Berliner Volksbühne, am Gorki-Theater und am Deutschen Theater, von den Auslandstourneen nach Finnland oder Dänemark und von ihrer Scheidung von Besson: «Am Abend unserer amtlichen Scheidung haben wir noch schnell unsere Silberhochzeit gefeiert und am nächsten Abend die Scheidung.»
Das Publikum ist amüsiert und nickt wissend, als auf der Videoleinwand Auszüge aus ihrem bedeutenden Film «Wege übers Land» (1968), einem «Polizeiruf 110» (1987) und der Serie «In aller Freundschaft» (1998-2005) gezeigt werden. Eine Reise durch die Zeit, in der sich die Art, Filme zu machen, geändert hat. «Damals hatte man viel mehr Zeit dafür, heute ist es Fließbandarbeit» , sagt die Schauspielerin, die sich auch mit Männerrollen wie in Brechts «Der gute Mensch von Sezuan» einen Namen gemacht hat.
Dann wird «Usch» , wie sie Latchinian nennen darf – denn schließlich haben beide schon im Krimi «Die verschwundene Miniatur» zusammen gespielt – in die «Küche» gebeten. Die Ausstattung hat sich seit Anfang der Reihe «Der Intendant lädt ein» gemausert, seit letztem Mal sind zwei Topflappen vorrätig, gehäkelt von einer Zuschauerin. Dann geht es ans Anlegen der Schürzen: Auch Ursula Karusseit, die fast in ihrer riesigen Kochmütze verschwindet, entscheidet sich für die schon legendäre «Köfer-Bindung» bis über die Brust, die Herbert Köfer in der ersten Veranstaltung erfunden hatte. Auch sonst ist eine Entwicklung sichtbar: Der Intendant, der sich diesmal an Meerrettichsuppe mit Radieschen versucht, hat mittlerweile gelernt, Zwiebeln zu schneiden, ohne sich zu schneiden. Die «hauchdünnen» Radieschenscheiben sind zwar noch ganze Viertel, weshalb es das Ramada Treff Page Hotel Schwarzheide, das auch für die Zuschauer kocht, aufgegeben hat, ihn Kartoffeln schneiden zu lassen. Ursula Karusseit, die sich an Paprika, gefüllt mit den spanischen Würsten Chorizos, mit Bohnensauce versucht, kämpft derweil mit Letzterer. Die Bohnen wollen sich nicht durchs Sieb pürieren lassen, ein Stück landet gar auf der heißen Herdplatte. Der Intendant schüttet unterdessen den Ahornsirup statt in die Radieschen gleich in die Suppe und löscht mit einer Unmenge Mußbacher Eselshaut ab. Den Wein braucht er auch beim Verkosten von Ursula Karusseits Bohnensauce, bei der ihm ob der Schärfe fast die Luft wegbleibt. Doch mit seinem obligatorischen Jodler, einem «andalusischen Küchenroller» , lädt er die Zuschauer ins Rangfoyer zum Essen.
Ehe sich Ursula Karusseit wieder auf den Weg nach Hause macht, in die Nähe von Königs Wusterhausen, muss sie noch eine ganze Reihe von Autogrammwünschen erfüllen.
Die Rezepte stehen zum Nachkochen unter www.theater-senftenberg.de.
Nächster Gast der Reihe ist Gojko Mitic am 1. Dezember um 19.30 Uhr.
Das Publikum ist amüsiert und nickt wissend, als auf der Videoleinwand Auszüge aus ihrem bedeutenden Film «Wege übers Land» (1968), einem «Polizeiruf 110» (1987) und der Serie «In aller Freundschaft» (1998-2005) gezeigt werden. Eine Reise durch die Zeit, in der sich die Art, Filme zu machen, geändert hat. «Damals hatte man viel mehr Zeit dafür, heute ist es Fließbandarbeit» , sagt die Schauspielerin, die sich auch mit Männerrollen wie in Brechts «Der gute Mensch von Sezuan» einen Namen gemacht hat.
Dann wird «Usch» , wie sie Latchinian nennen darf – denn schließlich haben beide schon im Krimi «Die verschwundene Miniatur» zusammen gespielt – in die «Küche» gebeten. Die Ausstattung hat sich seit Anfang der Reihe «Der Intendant lädt ein» gemausert, seit letztem Mal sind zwei Topflappen vorrätig, gehäkelt von einer Zuschauerin. Dann geht es ans Anlegen der Schürzen: Auch Ursula Karusseit, die fast in ihrer riesigen Kochmütze verschwindet, entscheidet sich für die schon legendäre «Köfer-Bindung» bis über die Brust, die Herbert Köfer in der ersten Veranstaltung erfunden hatte. Auch sonst ist eine Entwicklung sichtbar: Der Intendant, der sich diesmal an Meerrettichsuppe mit Radieschen versucht, hat mittlerweile gelernt, Zwiebeln zu schneiden, ohne sich zu schneiden. Die «hauchdünnen» Radieschenscheiben sind zwar noch ganze Viertel, weshalb es das Ramada Treff Page Hotel Schwarzheide, das auch für die Zuschauer kocht, aufgegeben hat, ihn Kartoffeln schneiden zu lassen. Ursula Karusseit, die sich an Paprika, gefüllt mit den spanischen Würsten Chorizos, mit Bohnensauce versucht, kämpft derweil mit Letzterer. Die Bohnen wollen sich nicht durchs Sieb pürieren lassen, ein Stück landet gar auf der heißen Herdplatte. Der Intendant schüttet unterdessen den Ahornsirup statt in die Radieschen gleich in die Suppe und löscht mit einer Unmenge Mußbacher Eselshaut ab. Den Wein braucht er auch beim Verkosten von Ursula Karusseits Bohnensauce, bei der ihm ob der Schärfe fast die Luft wegbleibt. Doch mit seinem obligatorischen Jodler, einem «andalusischen Küchenroller» , lädt er die Zuschauer ins Rangfoyer zum Essen.
Ehe sich Ursula Karusseit wieder auf den Weg nach Hause macht, in die Nähe von Königs Wusterhausen, muss sie noch eine ganze Reihe von Autogrammwünschen erfüllen.
Die Rezepte stehen zum Nachkochen unter www.theater-senftenberg.de.
Nächster Gast der Reihe ist Gojko Mitic am 1. Dezember um 19.30 Uhr.
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