Wo der Wein auch schäumen darf
2005/10/30 09:00
Pressemeldung von:
ksta.de
PIT FALKENSTEIN, 26.10.05, 11:21h
Berühmt für ihre Rebsorten und die gute Küche: die Anbaugebiete an der Loire
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Kein Genießer der kräftigen Küche reist nach Saumur an der Loire, um dort Diät zu halten.
Vincent Herbreteau, Maître de chai bei der Sektkellerei Bouvet-Ladubay in Saumur, führt stolz sein unterirdisches Reich vor. Die Stollen sind tief in den angrenzenden Weinberg gegraben, insgesamt acht Kilometer lang. Zu Zeiten des Sonnenkönigs wurde dort Kalkstein zum Bau von prächtigen Schlössern
Berühmt für ihre Rebsorten und die gute Küche: die Anbaugebiete an der Loire
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Kein Genießer der kräftigen Küche reist nach Saumur an der Loire, um dort Diät zu halten.
Vincent Herbreteau, Maître de chai bei der Sektkellerei Bouvet-Ladubay in Saumur, führt stolz sein unterirdisches Reich vor. Die Stollen sind tief in den angrenzenden Weinberg gegraben, insgesamt acht Kilometer lang. Zu Zeiten des Sonnenkönigs wurde dort Kalkstein zum Bau von prächtigen Schlössern
gebrochen. Elektrisches Licht gibt es nicht. Nur der Schein einer Karbidlampe erhellt die Szenerie.
Es geht vorbei an Millionen Flaschen. Mindestens zwei Jahre reift der perlende Inhalt. „Gehobenere Chargen liegen noch viel länger“, erklärt Herbreteau. Dann lächelt er und legt den Finger an die Lippen. Er löscht für einen Augenblick die Lampe. Nun ist es absolut dunkel, absolut still. Und gruselig dazu. Aber man darf wohl ganz sicher sein, dass Sekt der Oberklasse in solcher Umgebung gut aufgehoben ist.
Fröhlich prickelnd
Saumur an der Loire wird gerühmt für sein weithin leuchtendes weißes Château, für seine schwarz uniformierten Kunstreiter des „Cadre noir“ und für seine Weine, die auch schäumen dürfen. In vielen französischen Familien ist es Sitte, an Festtagen Loire-Sekt zu entkorken - nicht statt, sondern trotz Champagner. „Saumur
Es geht vorbei an Millionen Flaschen. Mindestens zwei Jahre reift der perlende Inhalt. „Gehobenere Chargen liegen noch viel länger“, erklärt Herbreteau. Dann lächelt er und legt den Finger an die Lippen. Er löscht für einen Augenblick die Lampe. Nun ist es absolut dunkel, absolut still. Und gruselig dazu. Aber man darf wohl ganz sicher sein, dass Sekt der Oberklasse in solcher Umgebung gut aufgehoben ist.
Fröhlich prickelnd
Saumur an der Loire wird gerühmt für sein weithin leuchtendes weißes Château, für seine schwarz uniformierten Kunstreiter des „Cadre noir“ und für seine Weine, die auch schäumen dürfen. In vielen französischen Familien ist es Sitte, an Festtagen Loire-Sekt zu entkorken - nicht statt, sondern trotz Champagner. „Saumur
brut“ prickelt einfach fröhlicher und fruchtiger als die gravitätischen Berühmtheiten aus Reims.
Die großen Häuser, alle im 19. Jahrhundert entstanden, liegen etwas außerhalb der Stadt im Vorort St-Hilaire / St-Florent. Die besten Adressen befinden sich in der Hand von Champagner-Kellereien. Bouvet-Ladubet wurde von Taittinger in Reims, Nachbar Langlois-Château von Bollinger in Ay geschluckt. Das Verhältnis wird aus Saumur-Sicht so beschrieben: „Wenn die Herren in der Champagne einen Empfang geben, dann holen sie eine Harfenspielerin und servieren Austern. Bei uns singt ein Studentenchor aus Tours frivole Lieder. Dazu gibt es unsere kräftigen regionalen Spezialitäten.“ Die Menschen an der Loire haben den Ruf, so etwa wie Frankreichs Rheinländer zu sein: Fröhlich in den Tag lebend, dabei ungemein genussfähig. Das liegt an der Umgebung: Im Anjou, der Region an der unteren Loire, ist das Klima milder als in der Provence. In Saumur regnet es weniger als in Nizza. Zu Recht wird die Landschaft „Jardin de France“ genannt - Frankreichs Garten, in dem alles im Überfluss gedeiht: derzeit vor allem zarter Spargel und hoch aromatische Erdbeeren. Die Loire und ihre Nebenflüsse sind reich an Fischen, die in Saumur köstlich zubereitet werden, besonders gut im Restaurant „Les Délices du Château“, hoch oben im weißen Schloss. Wer mutig ist, probiert die „Matelotte d'anguile“, Stücke vom Aal mit Schalotten und Knoblauch in Cabernet-franc-Rotwein geköchelt. Saumur ist überschaubar. Es macht Spaß, durch die engen Gassen zu schlendern. Ein Muss ist die Feinschmecker-Meile Rue de Saint-Nicolas. Wer vor der Heimreise kulinarische Souvenirs erstehen möchte, findet bei Traitteur Gérard Girardeau neben eingelegten Schweinsfüßen und Kuddelwürstchen Loire-Weine bis zurück in die dreißiger Jahre. In der Fromagerie Roger Asselin gibt es den heimischen Ziegenkäse Saint-Maure von allerbester Qualität.
Niemand reist nach Saumur, um dort abzunehmen. Wenn der Gürtel eng zu werden droht, empfehlen sich die Dienste von Anstercycles - in Saumur gleich beim Bahnhof. Die Firma verleiht im ganzen Anjou Fahrräder. Sie können also nach Angers oder Tours strampeln, lassen dort die Velos und fahren mit dem Zug zurück.
(KStA)
Die großen Häuser, alle im 19. Jahrhundert entstanden, liegen etwas außerhalb der Stadt im Vorort St-Hilaire / St-Florent. Die besten Adressen befinden sich in der Hand von Champagner-Kellereien. Bouvet-Ladubet wurde von Taittinger in Reims, Nachbar Langlois-Château von Bollinger in Ay geschluckt. Das Verhältnis wird aus Saumur-Sicht so beschrieben: „Wenn die Herren in der Champagne einen Empfang geben, dann holen sie eine Harfenspielerin und servieren Austern. Bei uns singt ein Studentenchor aus Tours frivole Lieder. Dazu gibt es unsere kräftigen regionalen Spezialitäten.“ Die Menschen an der Loire haben den Ruf, so etwa wie Frankreichs Rheinländer zu sein: Fröhlich in den Tag lebend, dabei ungemein genussfähig. Das liegt an der Umgebung: Im Anjou, der Region an der unteren Loire, ist das Klima milder als in der Provence. In Saumur regnet es weniger als in Nizza. Zu Recht wird die Landschaft „Jardin de France“ genannt - Frankreichs Garten, in dem alles im Überfluss gedeiht: derzeit vor allem zarter Spargel und hoch aromatische Erdbeeren. Die Loire und ihre Nebenflüsse sind reich an Fischen, die in Saumur köstlich zubereitet werden, besonders gut im Restaurant „Les Délices du Château“, hoch oben im weißen Schloss. Wer mutig ist, probiert die „Matelotte d'anguile“, Stücke vom Aal mit Schalotten und Knoblauch in Cabernet-franc-Rotwein geköchelt. Saumur ist überschaubar. Es macht Spaß, durch die engen Gassen zu schlendern. Ein Muss ist die Feinschmecker-Meile Rue de Saint-Nicolas. Wer vor der Heimreise kulinarische Souvenirs erstehen möchte, findet bei Traitteur Gérard Girardeau neben eingelegten Schweinsfüßen und Kuddelwürstchen Loire-Weine bis zurück in die dreißiger Jahre. In der Fromagerie Roger Asselin gibt es den heimischen Ziegenkäse Saint-Maure von allerbester Qualität.
Niemand reist nach Saumur, um dort abzunehmen. Wenn der Gürtel eng zu werden droht, empfehlen sich die Dienste von Anstercycles - in Saumur gleich beim Bahnhof. Die Firma verleiht im ganzen Anjou Fahrräder. Sie können also nach Angers oder Tours strampeln, lassen dort die Velos und fahren mit dem Zug zurück.
(KStA)
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