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Großgmain: Eine Rarität, die schmeckt

2005/10/19 05:07
Pressemeldung von:
Chiemgau online

(14. Oktober 2005) Seit dem Mittelalter wurde kein Wein mehr in Salzburg angebaut. Nun hat sich die Großgmainerin Marianne Witzko der Herausforderung gestellt. Auf dem Reiterhaindl-Hof wachsen auf einem Hektar 4000 Reben heran. Die diplomierte Weinakademikerin wird bald mit dem Keltern ihres zweiten Jahrganges beginnen. Mit viel Sorge und Sachkenntnis entstehen hier animiernde Weine mit Qualität und Charakter.
Dicht an dicht hängen die dicken roten Trauben. Noch ein paar sonnige Herbsttage und dann können sie geerntet werden. Kein unbekanntes Bild in Österreich. Für Salzburg
allerdings schon. Denn seit dem Mittelalter wurde hier kein Wein mehr angebaut. Damals wurde der Weinbau wegen der schwindenden Wettbewerbsfähigkeit aufgegeben. Heute wächst am Fuße des Untersbergs auf dem Reiterhaindl-Hof auf einem Hektar wieder Wein. In Großgmain, unweit des Bauernhofmuseums liegt der Hof idyllisch zwischen Wiesen und Feldern. Der Weinbauer auf dem Hof ist eine Bäuerin. Marianne Witzko ist hier aufgewachsen. Zwar war sie lange Jahre als Textil-Ingenieurin tätig, doch hat sie vor ein paar Jahren den Hof übernommen. »Schuld« an der ganzen Sache mit dem Wein ist ihr Mann. Denn der gebürtige Franke hatte gemeint: »Wenn beim fränkischen Klima Wein wächst, dann muss er hier auch wachsen.« Gesagt getan und die ersten 50 Rebstöcke wurden mehr aus Spaß an einen sonnigen Hang gepflanzt. In den 90er-Jahren beschäftigte sich dann Marianne Witzko intensiv mit Wein.
Der tolle Jahrgang 2000 brachte die Wende. Aus dem Hobby wurde ein Beruf. »Im Jahr 2001 pflanzten wir 4000 Reben aus. Im Herbst 2003 konnten wir dann schon eine kleine Menge Jungfernwein ernten.« Um ihr in vielen Weinseminaren und Verkostungen erlangtes Wissen auf ordentliche Füße zu stellen, studierte sie an der Weinakademie und schloss das Studium des Wine and Spirit Education Trust in London mit dem Diplom ab. Im deutschsprachigen Raum gibt es nur rund 200 Weinakademikerinnen und Akademiker, da das Studium sehr anspruchsvoll ist. Inzwischen ist Witzko selber eine gefragte Referentin und fachsimpelt mit Kollegen der österreichischen Weinakademie. Dieses Jahr stehen die Hälfte der Rebstöcke im Ertrag. Denn man muss drei bis vier Jahre warten, bis Trauben wachsen dürfen. »Die Kraft soll am Anfang in den Stock gehen«, erklärt die Winzerin. Natürlich gab es auch Rückschläge, so hatte Hagel kurz nach dem Setzen der Reben einiges zerstört. Witzko ließ sich nicht beirren, setzte nach und letztes Jahr wurde zum ersten Mal gekeltert. In der Scheune hat sie die Keltertechnik und die Abfüllanlage eingerichtet. »Der mögliche Ertrag liegt bei 5000 Flaschen jährlich. Im Augenblick kommen wir auf 1000 Flaschen pro Jahrgang.« Das Ziel ist anvisiert, aber bevor die Weinkennerin Abstriche an der Qualität macht, würde sie eher die Menge zurückfahren. Qualität und Geschmack sind für sie sehr wichtig. An den Spalieren wachsen Trauben der Sorte Chardonnay, Riesling und Weißburgunder. Daraus wird der Weißwein »Salzburger Hochthron« gewonnen. Für den Rotwein »Juvavum« wachsen die Sorten Zweigelt, St. Laurent und neuerdings die in feuchten Lagen viel versprechende neue Züchtung Rösler. Der Jahrgang 2004 ist noch im Fass, nach der Ernte im Herbst wird er dann abgefüllt. Dann müssen die Flaschen noch etikettiert und schließlich verkauft werden. Neben einigen Wirten, die Salzburger Wein anbieten, wird er hauptsächlich ab Hof verkauft. Das ist nur ein Teil der vielen Arbeit. Ansonsten müssen die Weinstöcke das ganze Jahr über gehegt und gepflegt werden. »Es ist viel Laubarbeit nötig«, erklärt die Winzerin. »Man muss ausschneiden, entblättern, entgeizen. Dann ist da auch noch das Unkraut, das wir rein mechanisch entfernen.« Um die Trauben vor hungrigen Mäulern aus dem nahen Wald zu schützen, werden sie in Netze eingewickelt. Auch die Wespen sind in einem Weinberg nicht gerne gesehen. Neben dem Januar ist der September der ruhigste Monat. »Da kann man nur warten und zusehen, wie die Trauben reifen«, sagt Witzko. »Noch ein paar sonnige Tage sind nun wichtig. Denn der Herbst ist entscheidend für den Geschmack.« Daher macht der viele Regen im Sommer gar nicht so viel für den Jahrgang aus. Marianne Witzko ist sehr zuversichtlich, auch heuer einen guten Wein zu bekommen. So reift in Großgmain eine wirkliche Salzburger Rarität heran. CGM


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