Pfirsich, Rose und ein Hauch Muskat
2005/10/30 11:09
Pressemeldung von:
pipeline.de
Von Birgitta Fickers, dpa
Veitshöchheim (dpa) - Die Nase zieht schnuppernd die Luft ein. Pfirsich, Rose oder doch ein Hauch von Muskat? Die Teilnehmer des Sensorikseminars im unterfränkischen Veitshöchheim sind sich nicht sicher, welches Aroma den Wein dominiert und raten munter drauf los.
Sinn der Übung ist, aus einfachen Weintrinkern Weinkenner zu machen, die bewusst einen edlen Tropfen genießen, aber auch gekonnt über Farbe, Körper, Abgang und Aroma philosophieren können.
Wein ist Lifestyle geworden. «Es ist einfach der Zeitgeist, Wein zu
Veitshöchheim (dpa) - Die Nase zieht schnuppernd die Luft ein. Pfirsich, Rose oder doch ein Hauch von Muskat? Die Teilnehmer des Sensorikseminars im unterfränkischen Veitshöchheim sind sich nicht sicher, welches Aroma den Wein dominiert und raten munter drauf los.
Sinn der Übung ist, aus einfachen Weintrinkern Weinkenner zu machen, die bewusst einen edlen Tropfen genießen, aber auch gekonnt über Farbe, Körper, Abgang und Aroma philosophieren können.
Wein ist Lifestyle geworden. «Es ist einfach der Zeitgeist, Wein zu
trinken», sagt Herman Schmitt, Geschäftsführer des Fränkischen Wienbauverbandes. Die Leute tränken gerne zu Hause und wollten ihren Freunden auch gerne passende Weine zum Essen anbieten. «Manche machen da eine richtige Wissenschaft draus», sagt Schmitt. So gebe es mittlerweile immer mehr Menschen, die sich einen Karton Wein nach Hause schicken ließen und diesen gemeinsam mit Freunden blind verkosteten. Vor ein paar Jahren habe es so etwas noch kaum gegeben. «Die machen sich einen Spaß daraus.»
Das nötige Wissen holen sich die Hobby-Weinkenner bei speziellen Sensorikseminaren, die unter anderem von der Landesanstalt für Gartenbau und Weinbau (LWG) in Veitshöchheim angeboten werden. Der Leiter der Abteilung Weinbau bei der LWG, Professor Klaus Wahl, erklärt anhand verschiedener Weißweine das richtige Vorgehen bei der Weinverkostung. «Sie müssen ihren Freunden ja
Das nötige Wissen holen sich die Hobby-Weinkenner bei speziellen Sensorikseminaren, die unter anderem von der Landesanstalt für Gartenbau und Weinbau (LWG) in Veitshöchheim angeboten werden. Der Leiter der Abteilung Weinbau bei der LWG, Professor Klaus Wahl, erklärt anhand verschiedener Weißweine das richtige Vorgehen bei der Weinverkostung. «Sie müssen ihren Freunden ja
einen zehnminütigen Vortrag halten können, um sie zu beeindrucken», sagt er. «Wenn sie nur sagen, der riecht fruchtig und schmeckt sauer, sind Sie in 30 Sekunden fertig.» Trotz des lockeren Tons nehmen die Teilnehmer des Kurses ihre Aufgabe ernst - sie wollen nicht nur vor Bekannten und Verwandten glänzen, sondern tatsächlich ein Gespür für Wein entwickeln.
Konzentriert und mit ernsten Gesichtern stecken sie die Nase wieder ins Glas. Der Wein, den Wahl ihnen eingeschenkt hat, riecht seltsam, das erkennen sie alle. Aber nach was? Melone, Erdbeere, irgendwie verfault, penetrant - Ideen gibt es genug. Wahl hilft seinen Schülern und gibt Tipps zum strukturierten Riechen. Sie sollen sich vom Allgemeinen langsam zum Speziellen Vorarbeiten - das hilft nicht nur, den Vortrag zu verlängern, sondern auch, den Duft besser einzuordnen.
Zunächst sollen die zukünftigen Weinexperten also nur sagen, ob der Wein stark oder eher schwach riecht. Anschließend soll der Duft grob etwa in fruchtig, blumig oder chemisch gegliedert werden. Erst dann soll ein genaues Aroma zugeordnet werden. Dabei hilft Experten wie Laien ein so genanntes Aromarad, in dem verschiedene, für Wein typische Gerüche in unterschiedlichen Kategorien aufgelistet sind.
Um Aromen wie Grüner Apfel, Banane oder Dörrpflaume im Wein erriechen zu können, bedarf es viel Übung. «Je häufiger man das macht, desto besser geht's», sagt Schmitt. Zudem ist es laut Wahl wichtig, nicht nur den Wein zu riechen, sondern auch mit quasi offener Nase durch die Welt zu gehen. Nur so bekomme man ein Gespür für Gerüche und Düfte und könne diese später auch im Wein besser zuordnen.
Die Teilnehmer des Sensorikseminars in Veitshöchheim müssen mit ihren kargen Vorkenntnissen auskommen - machen sich aber ganz gut. Der Wein vom Anfang hat ein reiches Fruchtaroma, genauer gesagt Erdbeere - und nicht Melone. Das beschreibende Merkmal «verfault» will Wahl allerdings nicht gelten lassen - des Stils wegen. «Sagen Sie nie, der Wein riecht verfault. Sagen sie lieber, der Wein hat ein Aroma von überreifen Erdbeeren.» Schließlich soll der Wein im Zweifel den Freunden schmackhaft gemacht werden - und wer möchte schon etwas trinken, was verfault schmeckt?
[© pipeline]
Konzentriert und mit ernsten Gesichtern stecken sie die Nase wieder ins Glas. Der Wein, den Wahl ihnen eingeschenkt hat, riecht seltsam, das erkennen sie alle. Aber nach was? Melone, Erdbeere, irgendwie verfault, penetrant - Ideen gibt es genug. Wahl hilft seinen Schülern und gibt Tipps zum strukturierten Riechen. Sie sollen sich vom Allgemeinen langsam zum Speziellen Vorarbeiten - das hilft nicht nur, den Vortrag zu verlängern, sondern auch, den Duft besser einzuordnen.
Zunächst sollen die zukünftigen Weinexperten also nur sagen, ob der Wein stark oder eher schwach riecht. Anschließend soll der Duft grob etwa in fruchtig, blumig oder chemisch gegliedert werden. Erst dann soll ein genaues Aroma zugeordnet werden. Dabei hilft Experten wie Laien ein so genanntes Aromarad, in dem verschiedene, für Wein typische Gerüche in unterschiedlichen Kategorien aufgelistet sind.
Um Aromen wie Grüner Apfel, Banane oder Dörrpflaume im Wein erriechen zu können, bedarf es viel Übung. «Je häufiger man das macht, desto besser geht's», sagt Schmitt. Zudem ist es laut Wahl wichtig, nicht nur den Wein zu riechen, sondern auch mit quasi offener Nase durch die Welt zu gehen. Nur so bekomme man ein Gespür für Gerüche und Düfte und könne diese später auch im Wein besser zuordnen.
Die Teilnehmer des Sensorikseminars in Veitshöchheim müssen mit ihren kargen Vorkenntnissen auskommen - machen sich aber ganz gut. Der Wein vom Anfang hat ein reiches Fruchtaroma, genauer gesagt Erdbeere - und nicht Melone. Das beschreibende Merkmal «verfault» will Wahl allerdings nicht gelten lassen - des Stils wegen. «Sagen Sie nie, der Wein riecht verfault. Sagen sie lieber, der Wein hat ein Aroma von überreifen Erdbeeren.» Schließlich soll der Wein im Zweifel den Freunden schmackhaft gemacht werden - und wer möchte schon etwas trinken, was verfault schmeckt?
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