Die Wein Community.

Es muss gar nicht teuer sein

2005/10/15 12:45
Pressemeldung von:
diepresse.com

VON GERHARD MESZAROS (Schaufenster) 14.10.2005

Was ist Luxus? Ein Großer Brauner? Shoppen am Vormittag? Eine Rolex? Oder eine Jahreskarte im Hanappi-Stadion? Wir haben vier Menschen befragt.





Luxus ist, was man nicht unbedingt braucht, aber trotzdem unbedingt haben muss. | (c) Ludwig Reiter


Till Reiter, Schuhhersteller


Luxus ist, was man nicht unbedingt braucht, aber trotzdem unbedingt haben muss. Also das, was über das Banale, rein Zweckmäßige hinausgeht. Alles, ohne das es langweilig wäre. Ich
lasse mir zum Beispiel – selten, aber doch – beim Herrenschneider ein Hemd um 300 Euro machen. Das ist so eine meiner Luxusmarotten. Oder zu Hause, da habe ich einen Baum, der ist 400 Jahre alt, eine Buche. Den braucht eigentlich kein Mensch, aber ich muss ihn einfach haben – er ist großartig. Oder wenn ich wirklich viel zu tun habe und trotzdem hinüber ins Café Landtmann gehe, um mir dort einen Großen Braunen um vier Euro zu kaufen, obwohl ich hier im Büro eine wunderbare Espresso-Maschine stehen habe. Da geht es dann gar nicht so sehr um die vier Euro, sondern darum, dass ich mir die Zeit nehme, mich selbst ein wenig zu verwöhnen. Eigentlich bin ich ja ein geradezu calvinistischer Puritaner, sparsam, fleißig ... Ich brauche kein luxuriöses Auto oder irgendeinen besonderen Urlaub. Aber Luxus, so wie ich ihn definiere, ist keine Verschwendung. Man wirft das Geld nicht für
irgendetwas zum Fenster hinaus, was einem eigentlich gar nicht wichtig ist. Sondern dahinter steht eine bewusste Entscheidung: „Ich will das. Ich gönn’ mir das.“ Luxus ist auch keine Geldfrage, heute sind auch sogenannte Luxusgüter relativ billig zu haben. Durch simples Geldausgeben kann man sich nicht von „den anderen“ abheben, es ist vielmehr eine Frage des Wissens. Weiß man, was in ist, was hip ist, und weiß man, was gute Qualität ist, hat man die „Connaisseurship“? Mode beispielsweise ist ja nie eine Geldfrage.

Ciro de Luca, Kabarettist

Es gibt da diese Witze über Männer um die 50 und darüber, wie die im teuren Sportwagen herumfahren. Das ist natürlich auch eine Variante von Luxus, aber für mich ist der wahre Luxus, mich über diese Männer lustig machen zu können. Ein Hader oder ein Vitasek zum Beispiel, die ja selber schon 40 oder noch älter sind, die haben da wahrscheinlich keinen so entspannten Zugang mehr. Abgesehen davon ist mein persönlicher Luxus die Möglichkeit, mir meine Zeit frei einteilen zu können, sodass Beruf und Freizeit verschwimmen – das ist wirklicher Luxus. Ich habe Glück, dass mein Mundwerk mein Handwerk ist. Heute Vormittag, da hab ich mir eine Pink-Panther-Kollektion auf DVD gekauft, und die gesammelten Werke von Marcel Allain, dann ein paar Sinfonien von Mozart und die gesammelten Werke von Stanley Kubrick. Ich bin zufällig am Geschäft vorbeigekommen – dass man das tagsüber, unter der Woche machen kann, das ist Luxus. Mozart – von ihm sollte man alle Werke haben. Mozartmusik und dazu ein Backhendl – das ist wirklich schön. Ich bin ein Hedonist, aber kein Materialist. Ich hab zum Beispiel gerne Kunstwerke um mich. Oder ich gebe auch recht viel Geld für gutes Essen aus, das ist für mich mehr als Nahrung. Jetzt gerade hab ich zufällig einen Provolone-Käse im Schaufenster gesehen, um 3,90 Euro für zehn Deka, und ihn natürlich gekauft. Ich glaube, man tut auch seinem Körper etwas Gutes, wenn man beim Essen nicht spart. Essen ist für mich aber auch ein Rauschmittel. Andere bekiffen oder besaufen sich, ich esse gut. Ich sag mir: „Verwöhn’ dich selbst, sonst tut es niemand.“ Luxus ist für mich auch, dass ich nicht mehr rauche – eine meiner größten Errungenschaften der letzten Jahre. Oder Schuhe – Schuhe sind großartig, ich mag handgemachte Schuhe. Schuhe sind etwas sehr Essenzielles, man hat sie den ganzen Tag an, egal was man tut. Mäntel, Jacken, Taschen – das ist alles viel banaler, die legt man dazwischen auch ab. Ja, und: Ich wohne sehr gerne. Ich mag schöne, geräumige Wohnzimmer, mit einem Robert-Myers-Stahlsessel oder Biedermeier-Kästen. Und ich mag gute Autos, natürlich italienische, wie meinen Alfa. Mit dem ist man dann auch ein Alfa-Männchen.

Luigi Barbaro, Gastronom

Luxus, das sind für mich unterschiedliche Dinge. Da wäre zum einen Luxus im Sinne von Wohlbefinden, ein „spiritueller“ Luxus gewissermaßen. Zum Beispiel mag ich Beauty-Farmen sehr. Sich eine Massage, eine Pediküre, eine Maniküre gönnen, Bäder nehmen – das ist großartig. Dann mag ich Reisen, etwa Abenteuerreisen in die Wüste. Das kostet natürlich Geld, weil man die ganze Technik und eine Mannschaft braucht. Das letzte Mal war ich in Ägypten und Libyen – großartig. Das bietet auch die Möglichkeit, einmal alleine zu sein, sich nur mit sich selbst zu beschäftigen – etwas, das sonst in meinem Berufsalltag schwer möglich ist. Oder meine Segelyacht – wenn ich mir einmal drei oder vier Tage freinehmen kann, fahr ich nach Triest und segle in der Adria herum. Das Nonplusultra ist aber ein guter Wein, ein guter Cognac, gute Zigarren, ein gutes Essen in einem hervorragenden Restaurant – zum Beispiel in einem meiner Restaurants. Luxus dieser Art ist mir sehr wichtig, er beruhigt die Seele, steigert das Wohlbefinden, bedeutet Lebensqualität. Dann gibt es noch den „materialistischen“ Luxus. Den mag ich auch gerne, er ist mir aber nicht so wichtig, man könnte darauf eventuell manchmal auch verzichten. Ich trage zum Beispiel eine Rolex oder gebe viel Geld für schönes Gewand aus – ich trage jeden Tag einen Anzug, nur auf Reisen bin ich leger gekleidet. Man muss wohlhabend sein, um sich Luxus leisten zu können, so zwischen 5000 und 10.000 Euro sollte man im Monat schon verdienen. Ja, mit 5000 Euro netto kann man schon ein paar Tage Luxus im Monat genießen.

Andrea Weidler, Leiterin von Wiener Models

Luxus, das heißt für mich Zufriedenheit, und die liegt in den kleinen Dingen, der Schönheit des Augenblicks. Wenn ich zum Beispiel in der Sonne liege und so wahnsinnig wichtige Überlegungen anstelle wie, ob ich den Murakami weiterlese oder doch lieber weiter Lambchop höre. Luxus, das sind auch drei Wochen Urlaub am Stück, mir für so was Zeit freischaufeln zu können. Im Urlaub fahr ich auf einem uralten Motorsegler mit ein paar Freunden von Split nach Dubrovnik, das ist Relax und Schönheit pur. Jeden Moment sieht man etwas, was ein Traum ist. Mit einer Riesenyacht geht das natürlich nicht, da kommt man nicht so nah in die kleinen Buchten hinein. Ja, und der erste Sprung in der Früh ins Wasser, wenn man noch verschlafen ist – traumhaft! Luxus heißt für mich auch, mit engen Freunden zu sein. Alles, was nicht mehr als sechs Menschen am Abend bedeutet, ist Luxus. Es ist für mich ein Luxus, keine öffentliche Person sein zu müssen, denn Letzteres ist Business. Ich fahr auch gern zum Rapid-Match nach St. Hanappi. Da hab ich eine Jahreskarte, und ich hab mich total gefreut, als ich gesehen habe, dass man mit einer Jahreskarte seinen Namen am Sitz stehen hat. Luxus ist: ein Sitz mit meinem Namen im Hanappi-Stadion ... Mode – das ist für mich ein Gebrauchsgegenstand. Ich bin froh, dass es sie gibt, aber ich selbst kleide mich gern angenehm-gediegen – ich nenne das „dezente Arroganz“. Mich selbst interessiert das Nüsse, aber natürlich würde ich niemanden kreuzigen, nur weil er ein Fashion-Victim ist.


Kontakt:
web: http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=r&ressort=rl&id=512950
email: keine Angabe

Falls der Inhalt dieses Artikels gegen bestehendes Urheberrecht verstößt, so bitten wir um einen Hinweis an info@weinportal24.info und der Artikel wird umgehend entfernt.


Newsticker
 
 

K O N T A K T | I M P R E S S U M | A G B