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Schon in der Antike galt Wein als Heilmittel

2005/10/19 05:05
Pressemeldung von:
br-online.de

Angebaut wird vitis vinifera seit ungefähr 10.000 Jahren - damit gehört der Wein zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit überhaupt. Damals gab es ihn aber nur in Vorderasien - von wo ihn die Phönizier um 1.500 v. Chr. zu den Griechen mitbrachten. Der große Arzt Hippokrates verordnete Wein - verdünnt mit Wasser - als Schlafmittel, gegen Kopfschmerzen und bei Verdauungsstörungen.

Im Nu eroberte der Wein den ganzen Mittelmeerraum. Um Christi Geburt brachten ihn die Römer auf ihren Feldzügen ins nördliche Europa. Sie kannten Wein als probates Mittel gegen
Magen-Darm-Erkrankungen, verwendeten ihn äußerlich zur Wundbehandlung. Im römischen Legionsheer war das Weintrinken sogar Pflicht - als Vorbeugung gegen Cholera, Typhus und Ruhr.

Natürlich, auch die heilige Äbtissin Hildegard von Bingen schätzte den Wein. Sie verabreichte viele Heilkräuter - so etwa Petersilie - in einer Tinktur, deren Hauptbestandteil Rotwein war.

Die meisten Weintrauben haben das selbe Schicksal: Sie werden zerquetscht, gefiltert und vergoren - um als Wein dem Menschen die Sinne zu vernebeln. Das wusste schon Dionysos, der griechische Gott des Weines. Er bezeichnete die Trauben als Frucht, die "dem Menschen anfangs die Leichtigkeit eines Vogels verleiht, ihn dann stark macht wie einen Löwen und zuletzt dumm wie einen Esel."

Viel zu schade, nur Wein daraus zu machen

Tatsächlich werden etwa 90 Prozent aller Trauben zu Wein. Nur
etwa zehn Prozent werden zu Saft verarbeitet oder roh gegessen. Schade eigentlich, denn auch unvergoren ist die Traube nicht nur schmackhaft, sondern auch sehr gesund. Sie enthält Vitamine und zahlreiche Mineralstoffe, drei verschiedene Zuckerarten (Glucose, Fructose, Mannit), etwas Eiweiß, etwas Fett. Darüber hinaus Ballaststoffe und so genannte "OPC"...

Hinter dem Kürzel OPC verbergen sich die "oligomeren Propanthocyanidine" - das wiederum sind Phenole, die zu den "sekundären Pflanzenstoffen" gehören. Wichtig sind diese Substanzen, weil sie "antioxydativ" wirken. Sie schützen Körperzellen vor dem Angriff "freier Sauerstoffradikale". Diese Radikale können Zellschäden verursachen, stehen im Verdacht, zur Zellalterung beizutragen und an der Krebsentstehung beteiligt zu sein. Die beiden wichtigsten antioxydativen Stoffe in der Traube sind Procyanidin und Resveratrol. Das "antioxydative Potenzial" von Procyanidin liegt 19 mal über dem von Vitamin C und sogar 50 mal über dem von Vitamin E. Aber das ist noch nicht alles.

Kerne und Schalen enthalten weitere Phenolverbindungen: die Anthozyane. Diese verhindern unter anderem das Verklumpen von Blutplättchen, fördern damit den Blutfluss und die Sauerstoffversorgung im Gewebe. Ähnliches tun auch die ebenfalls in Trauben enthaltenen Salicylate.

Das Beste steckt in Schale und Kern
Die meisten gesundheitsfördernden Substanzen sind in den Kernen und Schalen der Weintrauben enthalten. Deshalb ist das, was bei der Weinherstellung übrig bleibt, keineswegs Abfall. So lässt sich aus Traubenkernen ein hochwertiges und gesundes Öl pressen. Allerdings: auch ein teures Öl. Für einen Liter Öl braucht man immerhin gut 2.000 Kilo Trauben.


Traubenkernöl ist reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, was sich günstig auf das Verhältnis von gutem (HDL-) und "bösem" (LDL-) Cholesterin auswirken kann. Es hat einen traubig-nussigen Geschmack und ist sehr hitzebeständig. So eignet es sich zum Beispiel zum Braten.

Die meisten der gesundheitsfördernden Stoffe sind auch im Wein enthalten. In der Tat ist ein Gläschen Wein am Abend gesund. Dabei stellt Rotwein den Weißwein noch in den Schatten. Wichtig ist allerdings, dass es bei einem Glas bleibt - ansonsten überwiegen die negativen Einflüsse des enthaltenen Alkohols.

Im Herbst ist die richtige Zeit für eine Traubenkur
Gesünder als Wein: Die rohe Traube. Ob rot oder weiß, ob groß oder klein, sauer oder süß... Trauben enthalten fast alles, was der Körper zum Leben braucht. Deshalb bieten sich Trauben besonders an für eine Diät - für die Traubenkur. Natürlich sollte man diese nicht unbedingt im Januar oder Mai beginnen, wenn die Trauben um die halbe Welt reisen, bevor sie bei uns verkauft werden. Jetzt ist die beste Zeit - jetzt sind die Trauben frisch und günstig.

Wichtig ist es, schon beim Einkauf für die Traubenkur besonders auf die Qualität zu achten. Trauben sind in Verruf geraten - durch einen hohen Gehalt an Pflanzenschutzmitteln, der auch durch Waschen nur teilweise reduziert werden kann. (Trauben wachsen i.d.R. in Monokulturen, sind also anfällig für Schädlinge und werden deshalb oft intensiv mit Pflanzenschutzmitteln behandelt). Für die Traubenkur eigen sich deshalb - wegen der großen verzehrten Menge - nur Bio-Trauben. Doch Vorsicht: Nicht alles, auf dem Bio steht, ist auch Bio! Am besten, man kennt den Weinbauern persönlich und isst nur die Trauben, von denen er selbst nascht...

Es gibt verschiedene Anleitungen, wie eine Traubenkur durchzuführen ist - strenge und weniger strenge. Hier eine "strenge" Variante: Diese besteht aus drei Phasen:

Vorbereitungsphase: Sechs Tage lang wird schrittweise eine der gewohnten Lebensmittelkategorien weggelassen - am ersten Tag vielleicht Milchprodukte, am zweiten das Fleisch usw. Dazu wird reichlich (Kräutertee) getrunken. Ganz wichtig: Sport, egal, ob Gymnastik, Fitness-Studio oder Joggen. Danach: Schwitzen in der Sauna - und entspannen.

Reine Traubenkur: 10 Tage lang gibt es nur noch Trauben - etwa 2 - 3 Kilo über den Tag verteilt. Ggf. morgens etwas Wasser dazu trinken (die Trauben selbst enthalten reichlich Flüssigkeit) und weiter Sport treiben, im Wechsel mit Entspannung.

Übergangsphase: Diese dauert acht Tage und ist in etwa die Umkehrung von Phase 1: Jeden Tag darf wieder eine Lebensmittelkategorie mehr auf den Speiseplan - aber bitte genießen, dass es wieder Kaffee gibt oder Käse, nicht den Magen damit voll stopfen!

Menschen, die eine Traubenkur ausprobiert haben, berichten über unterschiedliche positive Effekte: Fühlen sich entspannt und ausgeglichener, haben Gewicht verloren und eine geregeltere Verdauung erreicht. Auch über positive Veränderungen von Haut oder Haaren wird berichtet. Im Labor nachgewiesen wurde eine Tendenz der Blutfettwerte (Triglyceride und Cholesterin) nach unten.

Mangelerscheinungen muss übrigens niemand befürchten - erstens dauert die reine Traubenkur dafür viel zu kurz, zweitens enthält die Traube nahezu alles, was der Organismus braucht.


Kontakt:
web: http://www.br-online.de/umwelt-gesundheit/sprechstunde/200510/st20051017_2.shtml
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