Wein-Panschen wird legal
2005/11/24 05:38
Pressemeldung von:
kurier.at
In den Labors in Übersee werden schon die nächsten, gentechnischen Schritte vorbereitet, die Weintrauben-Ernte zu maximieren. Rotwein ohne Barrique-Geschmack kommt vielen Weintrinkern nicht ins Glas. Trotzdem verzichten immer mehr Weinbauern auf die Eichenfässer – und der Barrique-Fan merkt es gar nicht. "Werden dem Wein Eichenchips beigemengt, ist es chemisch nicht nachzuweisen", erklärt Franz Scheibenreif von der Bundeskellereiinspektion. Kaum ein Unterschied im Geschmack also, sehr wohl aber im Preis. Scheibenreif: "Die Holzspäne kosten im Vergleich zum Barrique-Fass ein
Hundertstel." Zweiter großer Unterschied: Die Beigabe von Eichenchips ist in der EU verboten – dass sich einige nicht daran halten, ist eine andere Frage.
Nun will Brüssel die Holzspäne erlauben, außerdem soll Wasser nicht nur der Maische sondern auch dem fertigen Wein entzogen werden dürfen. Über die Novelle der Weinmarktordnung werden die EU-Agrarminister im ersten Halbjahr 2006 unter österreichischer Präsidentschaft abstimmen.
Abkommen
Solche Tricks, die für traditionelle Weinbauern den Untergang des Weinlandes bedeuten, sind in der "Neuen Welt" seit Jahrzehnten gelebte Praxis. "Der Wein kann in seine Einzelteile zerlegt, je nach Bedarf angereichert und neu zusammengebaut werden", erklärt Scheibenreif die Techniken amerikanischer, argentinischer oder australischer Weinproduzenten.
Ein derart "designter" Wein darf in die EU – im
Nun will Brüssel die Holzspäne erlauben, außerdem soll Wasser nicht nur der Maische sondern auch dem fertigen Wein entzogen werden dürfen. Über die Novelle der Weinmarktordnung werden die EU-Agrarminister im ersten Halbjahr 2006 unter österreichischer Präsidentschaft abstimmen.
Abkommen
Solche Tricks, die für traditionelle Weinbauern den Untergang des Weinlandes bedeuten, sind in der "Neuen Welt" seit Jahrzehnten gelebte Praxis. "Der Wein kann in seine Einzelteile zerlegt, je nach Bedarf angereichert und neu zusammengebaut werden", erklärt Scheibenreif die Techniken amerikanischer, argentinischer oder australischer Weinproduzenten.
Ein derart "designter" Wein darf in die EU – im
Gegensatz zu den Eichenchips-Weinen – noch nicht eingeführt werden. Doch nun wird an einem Handelsabkommen mit den USA gebastelt, das auch das "Wässern" von Wein und die Beigabe von Aromastoffen aus der Traube erlaubt.
Im Welthandel ist jeder Handelspartner gleichzubehandeln, also werden die Exporterleichterungen bald auch für die anderen großen Weinexporteure gelten.
Gegenleistung
In der EU wird es auch nach der Novelle der EU-Weinmarktordnung noch Tabu sein, Wein zu wässern. Warum lässt sich die Union dann auf so einen ungleichen Handel mit den USA ein? "Die Amerikaner müssen dann auf Herkunftsbezeichnungen wie Chianti oder Riesling verzichten", erklärt der Weinexperte des Landwirtschaftsministeriums, Rudolf Schmid, die Vorteile des Abkommens. Das erhöht dann natürlich wieder die Marktchancen des europäischen Weins in Übersee. "Die USA sind wertmäßig unser zweitwichtigster Absatzmarkt", so Schmid.
Mit der Legalisierung der Eichenchips würde die EU vorsichtig einem Trend folgen, der die Weinbranche voll erfasst hat: dem "Designen" von Wein. In den Labors in Übersee werden schon die nächsten, gentechnischen Schritte vorbereitet.
Konsument entscheidet
Die Produzentenländer wie Frankreich, Spanien, Österreich oder Deutschland werden sich auch gegen die Holzspäne noch wehren. Doch der Druck der Konsumentenländer (Großbritannien, Skandinavien usw.) und der Importeure aus Übersee, die immer billiger produzieren können, wird wohl zu groß sein. "Dann soll der Konsument entscheiden", hielte Schmid eine ausreichende Kennzeichnung für nötig.
Bei Wein&Co wird auf "beschleunigt produzierte" Weine noch verzichtet. "Wenn der Konsument immer billigeren Wein will, wird es aber eine Kettenreaktion geben", meint Marketing-Chef Jason Turner. Der Druck werde also steigen, mit immer mehr Tricks billigen Wein zu produzieren. "Wasser kostet nix", meint Scheibenreif lakonisch zur Methode, Wein mit Wasser "anzureichern".
Artikel vom 23.11.2005 |KURIER-Printausgabe |Clemens Neuhold
Im Welthandel ist jeder Handelspartner gleichzubehandeln, also werden die Exporterleichterungen bald auch für die anderen großen Weinexporteure gelten.
Gegenleistung
In der EU wird es auch nach der Novelle der EU-Weinmarktordnung noch Tabu sein, Wein zu wässern. Warum lässt sich die Union dann auf so einen ungleichen Handel mit den USA ein? "Die Amerikaner müssen dann auf Herkunftsbezeichnungen wie Chianti oder Riesling verzichten", erklärt der Weinexperte des Landwirtschaftsministeriums, Rudolf Schmid, die Vorteile des Abkommens. Das erhöht dann natürlich wieder die Marktchancen des europäischen Weins in Übersee. "Die USA sind wertmäßig unser zweitwichtigster Absatzmarkt", so Schmid.
Mit der Legalisierung der Eichenchips würde die EU vorsichtig einem Trend folgen, der die Weinbranche voll erfasst hat: dem "Designen" von Wein. In den Labors in Übersee werden schon die nächsten, gentechnischen Schritte vorbereitet.
Konsument entscheidet
Die Produzentenländer wie Frankreich, Spanien, Österreich oder Deutschland werden sich auch gegen die Holzspäne noch wehren. Doch der Druck der Konsumentenländer (Großbritannien, Skandinavien usw.) und der Importeure aus Übersee, die immer billiger produzieren können, wird wohl zu groß sein. "Dann soll der Konsument entscheiden", hielte Schmid eine ausreichende Kennzeichnung für nötig.
Bei Wein&Co wird auf "beschleunigt produzierte" Weine noch verzichtet. "Wenn der Konsument immer billigeren Wein will, wird es aber eine Kettenreaktion geben", meint Marketing-Chef Jason Turner. Der Druck werde also steigen, mit immer mehr Tricks billigen Wein zu produzieren. "Wasser kostet nix", meint Scheibenreif lakonisch zur Methode, Wein mit Wasser "anzureichern".
Artikel vom 23.11.2005 |KURIER-Printausgabe |Clemens Neuhold
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