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"Die Union hat Fehler gemacht"

2005/09/20 16:35
Pressemeldung von:
Rhein Main

Direkt-Kandidaten zum Wahlausgang

Vom 19.09.2005

Von

Johannes Bolwin und

Helena Sender-Petry

"Ich bin noch sehr angespannt und nervös": Klaus Hagemann, Direktkandidat für den Wahlkreis Worms-Alzey-Oppenheim, wirkte gestern Abend, als die ersten Hochrechnungen bekannt wurden, bedrückt - was wohl auch an den Anstrengungen der vergangenen Wochen liege, wie der Bundestagsabgeordnete sagte. Den Wahlabend verbrachte Hagemann im Wormser Rathaus. "So wie es aussieht, ist die Lage für mich persönlich zwar positiv", kommentierte der
SPD-Politiker seinen sich abzeichnenden Sieg im Wahlkreis 208. "Sehr bedrückt" sei er aber mit Blick auf den Bundestrend, auch wenn die SPD nach früheren Wahlprognosen zugelegt habe. "Ich befürchte, dass jetzt alles auf eine große Koalition hinausläuft." Hagemann freue sich, die Arbeit in Berlin fortzusetzen. "Es sieht danach aus. Lieber wäre es mir aber, ich würde meine Arbeit aus einer starken Regierungskoalition heraus gestalten können."

"Die CDU hat verloren", sagte Hagemanns Herausforderer Dr. Ludwig Tauscher (CDU) in der Winzergenossenschaft Westhofen unumwunden. Es sei der Union nicht gelungen, die Wahlziele realistisch zu vermitteln. "Vielleicht auch, weil die Sachen kompliziert und die Wahrheiten unangenehm sind und die Zeit knapp war." Die Mehrwertsteuerpläne der CDU etwa hätten viele Menschen verunsichert. Ein großes Problem sei jetzt die Bildung einer
tragfähigen Regierungsmehrheit. Tauscher sieht zwei Lager, die beide jeweils nicht regierungsfähig seien, sich in ihren Komponenten aber auch nicht leicht mischen ließen. "Ob Ampel oder große Koalition: Es wird immer schwerer, in Deutschland die wichtigen Grundsatzreformen umzusetzen." Konzentrieren will sich der Leiter des Weinbauamtes, der auf einem unsicheren Listenplatz stand, jetzt auf sein Kreistagsmandat.

Gutes Wahlergebnis, verhaltene Stimmung: Die Liberale Bettina Muth bleibt zurückhaltend mit Blick auf den Ausgang der Bundestagswahl. Der Grund: "So wie es ausschaut, reicht es nicht für den Wechsel. Und das ist schade." An der FDP habe es nicht gelegen, die "hat ihre Sache gut gemacht", was nicht zuletzt das Ergebnis dokumentiere. Die Union habe Fehler gemacht, auch mit Blick auf die Querelen um Professor Paul Kirchhof, sagt Muth. Und weiter: "Es war auch nicht klug, kurz vor der Wahl Friedrich Merz ins Spiel zu bringen." Die FDP habe immer eine ganz klare Linie verfolgt, was die Wähler verstanden hätten.

Anton Martensen, Direktkandidat der Grünen, wundert sich, "wie sehr sich die Demoskopen geirrt haben". Sein Tipp ist eine große Koalition, die Ampel hält er für eher unwahrscheinlich. Nein, ein Schreckgespenst ist diese Konstellation nicht: "Demokratische Parteien müssen grundsätzlich zusammenarbeiten können." Und wie beurteilt er die Gewinne der FDP? "Es scheint so, dass die Liberalen der Union die Zweitstimmen abziehen konnte. Doch es hat ihnen nichts gebracht."

Im Wahlbezirk 4303 in Worms habe er es auf den dritten Platz geschafft, freut sich der parteilose Direktkandidat der Linkspartei, Norbert Weber. Überhaupt ist er "sehr zufrieden" mit dem Abschneiden der Linkspartei. Im hervorragenden Ergebnis der FDP sieht er eine Entscheidung gegen Angela Merkel. "Mit dieser Kandidatin waren wohl einige Wähler aus dem bürgerlichen Lager nicht einverstanden."


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