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Alleine die Gemeinschaft zählt

2005/09/21 18:26
Pressemeldung von:
Main Rheiner

Dromersheimer Jugendcontainer beliebter Treffpunkt für die Jugendlichen




Der Bauwagen am Ortsrand von Dromersheim ist das Refugium der Jugend, das sie sich ohne Einflussnahme der Erwachsenen gestalten können.
Foto: Edgar Daudistel
Vom 20.09.2005

cts. DROMERSHEIM Treffpunkte im Sommer: Lauschige Plätzchen, luftige Idyllen und Spielorte im Freien - die AZ hat einige der beliebtesten Rückzugsgebiete der Binger für Freizeit und Sport besucht. Zum Abschluss im Blickpunkt: Dromersheimer Jugendliche.
Heißluftballons schieben sich träge
über den Horizont, Hausbesitzer wässern ihre Vorgärten, ein Plausch auf der Eingangstreppe mit den Nachbarn - ländliches Idyll. Die Sonne steht noch zwischen den Häusern, da machen sich Jaqueline (15) und Lorraine (14) auf den Weg zu ihrem Lieblingsplatz: dem Jugendcontainer mitten im Weinberg.

Dort treffen sie sich jeden Tag mit ihren Freunden aus Dromersheim. Zehn bis 15 Jugendliche sind es derzeit. Schule und Ausbildung spielen keine Rolle, allein die Gemeinschaft der Gleichaltrigen zählt. Obwohl die Sonne den Container im Sommer oft zur Sauna werden lässt, ist der Container ihr Sommerquartier. "Kein Problem, wir machen Fenster und Türen auf", sagt Higa-Schülerin Jaqueline. Ihr ist der Kontakt zu den Freunden im Stadtteil wichtig. Das Langenlonsheimer Freibad liegt den Dromersheimern näher als Bingerbrück. Wer ein Mofa hat, verbringt die heißen Tage dort am
Beckenrand. In den Nachmittags- und Abendstunden wird der Container im Stadtteil zum Favoriten der Jugend. "Wir haben eine griechische Nacht organisiert, Grillfeiern oder auch DVD-Abende", zählt Lorraine auf. "Zusammenhocken und Musik hören" ist genauso wichtig. Die Freundinnen Jaqueline und Lorraine haben ihre Handtäschchen geschultert und schlendern Richtung Feuerwehrhaus. Dahinter, zwischen den Rebzeilen, steht der Container. In den Ferien waren sie manchmal von 15 bis 23 Uhr dort, während der Schulzeit müssen sie aber um 19 Uhr zu Hause sein. "Wir dürfen nachmittags immer erst los, wenn die Jobs zuhause erledigt sind", erzählen die Jugendlichen. Spülmaschine ausräumen oder das Chaos im Zimmer beseitigen, das gehört zu den Pflicht-Aufgaben.

Eine Spaziergängerin mit Hund schüttelt den Kopf: "Wie kann man sich nur dort in die heiße Bude hocken?" Das Kopfschütteln wird schulterzuckend registriert. Eigene Reiche haben eben ihren schweißtreibenden Preis. "Früher hat sich die Dorfjugend häufig an der Grundschule getroffen", erzählt Jaqueline. Der gesamte Schulhof ist inzwischen als attraktive Spielfläche für Grundschulkinder umgestaltet. Die Jüngeren im Stadtteil haben hier ihren Freiraum. An den Wochenenden wird der Fußballplatz zum Treffpunkt, für Zuschauer und Spieler aus dem Stadtteil gleichermaßen. Aber der Container ist ganz allein Jugend-Terrain.

Die Jungs präsentieren vor der besprühten Eingangstür stolz ihre Mofas und Roller. Trotz Busanbindung bedeutet der Mofa-Führerschein entschieden mehr Aktionsradius für Dromersheimer Jugendliche. "Dann müssen die Mütter nicht mehr jeden Tag Taxi spielen." Mehr Unabhängigkeit, mehr Eigenständigkeit, raus aus den engen Dorfgassen - der beschauliche Weinort scheint für seine Jugend einen guten Platz gefunden zu haben, nicht nur an heißen Ferien-Sommertagen.


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