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Reichenbächle erstickt im Schlamm

2005/10/23 13:54
Pressemeldung von:
baden-online.de

Behörden ermitteln wegen Verschmutzung des Gewässers am Einlaufrohr der WG Oberkirch

Das Reichenbächle leidet unter einer schleimigen Schicht an undefinierbare Schlamm – vom Einlaufrohr der Winzergenossenschaft Oberkirch bis zur Mündung in die Rench. Christoph Münch hegt den Verdacht der Gewässerverschmutzung, doch WG-Geschäftsführer Walter Nöhren hat eine andere Erklärung. Die Behörden ermitteln.

Von: Silke Keil

Oberkirch. Walter Nöhren hatte gestern einen aufreibenden Vormittag. Überraschend tauchte die Polizei beim Geschäftsführer der
Winzergenossenschaft Oberkirch auf, darunter Beamte aus dem Fachbereich »Gewerbe und Umwelt« der Polizeidirektion Offenburg (ehemals Wirtschaftskontrolldienst). Sie machten sich ein Bild von den technischen Anlagen. Grund des Besuchs: Der Boden des Reichenbächles war ab dem Einlaufrohr der Winzergenossenschaft Oberkirch beim Kreisel von einer schleimigen, bislang undefinierbaren Masse bedeckt.
»Total verschmutzt«
Christoph Münch ist beunruhigt, denn seit 1995 hatte er das Reichenbächle nicht mehr besucht. Zufällig hatte er gestern Früh die Masse im Bach entdeckt und sofort die Polizei verständigt. »Das Reichenbächle ist vom Einlaufrohr bis zur Mündung in die Rench mit Abwasserpilzen total verschmutzt«, war seine Beobachtung, »es handelt sich um organische Verunreinigungen, die überall dort entstehen, wo Trauben ausgepresst werden. Wenn sie in so großen Mengen
anfallen, ist der Schaden besonders groß.«
Direkt am Rohrkörper und im Bachbett streifte er die fingerdicke grau-braune Masse ab, die auch die grünen Wasserpflanzen bedeckt. Sie roch nach gegorenem Traubensaft. »Ich werde Anzeige im Sinn des Strafgesetzbuches, § 324, gegen den Verantwortlichen bei der Winzergenossenschaft erstatten«, sagte er.
Weder die Polizei, noch das Landratsamt bestätigten gestern den Verdacht Christoph Münchs. »Wir sind noch mitten in den Recherchen«, erklärte Emil Roth, Pressesprecher der Polizeidirektion Offenburg. Eine Reihe von Fachkräften unterschiedlichster Behörden wurden in den Fall eingeschaltet. Die Wasserproben, die Emil Roths Kollegen am Vormittag aus dem Reichenbächle entnommen haben, befinden sich gerade zur Untersuchung in Fremdlabors. »Wir rechnen Anfang nächster Woche mit den Ergebnissen«, informiert Carmen Suhr, Pressesprecherin des Landratsamtes. Auch Mitarbeiter vom Amt für Gewerbeaufsicht, Immissionsschutz und Abfallrecht machten sich gestern ein Bild vom Reichenbächle. Das Amt für Umweltschutz sammelt alle Ergebnisse und wird prüfen, ob eine Ordnungswidrigkeit oder gegebenenfalls eine Straftat vorliegt – und wer dafür verantwortlich ist.
Klar ist, dass das Einlaufrohr von der Winzergenossenschaft Oberkirch genutzt wird: als Ableitung von Kühlwasser für Gärtanks. Das Wasser sei klar und habe eine leicht erhöhte Temperatur, erklärte Walter Nöhren. Die Nachricht vom Schlamm im Reichenbächle sorgte bei der WG für große Bestürzung. »Wir wissen nicht, wie es dazu kommen konnte«, so der Geschäftsführer, »wir überprüfen das.« Nöhren vermutet, dass es sich bei der schleimigen Masse um Algen handelt, die durch die Warmwasserzufuhr gewuchert sind. »Wir hatten in den letzten Tagen eine sehr große Ernte mit starkem Wasserverbrauch«, überlegt er, »dagegen führt das Reichenbächle im Moment wenig Wasser.« Wenn es durch die Einleitung des Kühlwassers zu Problemen für den Bach komme, müsse die WG eine andere Lösung finden, blickt Nöhren in die Zukunft.
Alter Vorfall
Ein Blick in die Vergangenheit lässt einen ähnlichen Fall lebendig werden: Von 1989 bis 1994, jeweils zur Traubenerntezeit, war das Reichenbächle unterhalb des Einlaufrohrs mit Abwasserpilzen verunreinigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, dass das Kühlwasser durch Beläge der Edelstahltanks verunreinigt worden war. Das Verfahren wurde in der Annahme eingestellt, dass das Tankkühlwasser in Zukunft der städtischen Kläranlage zugeführt wird.
Geschäftsführer Walter Nöhren erklärt, dass damals jedoch lediglich die Leitungen gereinigt wurden, die ins Freie führten. »Seitdem hatten wir keine Probleme mehr.«


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