Der Wein-Herbst 2005 nimmt seinen Lauf...
2005/10/04 17:02
Pressemeldung von:
vdp
Die durchwachsene Vegetation des Sommers hat den Weinherbst mit Spannung erwarten lassen. Die Prognosen der Prädikatsweingüter waren bisher durchweg positiv. Allerdings kommt es zum jetztigen Zeitpunkt auf jeden neuen Tag an.
Wir haben uns für Sie direkt im Weinberg umgehört. Was bewegt die Winzer? Mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen? Jede Woche haben wir für Sie neue Einblicke in einen aufregenden Weinherbst.
Mosel / Weingut Heymann-Löwenstein / Winningen
Donnerstag, 29. September 2005
Wir haben uns für Sie direkt im Weinberg umgehört. Was bewegt die Winzer? Mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen? Jede Woche haben wir für Sie neue Einblicke in einen aufregenden Weinherbst.
Mosel / Weingut Heymann-Löwenstein / Winningen
Donnerstag, 29. September 2005
Reinhard und Cornelia Löwenstein
Welche Vorbereitungen treffen Sie zur Weinlese? Stressbewältigung und mentales Riesling Atmen
Wie entscheiden Sie über den Lesezeitpunkt?
Neben den klassischen Faktoren ist da auch ein großes Stück meines Bauchgefühls dabei.
Für welche Weine verwenden Sie welche Lesemethode?
Wir machen keine Unterschiede bei der Lesemethode. Bei uns wird grundsätzlich alles per Hand gelesen.
Wie viele Erntehelfer sind auf Ihrem Weingut im Einsatz und woher kommen Ihre Erntehelfer?
Wir haben immer 12-15 Erntehelfer auf dem Weingut. Von ihnen stammen die meisten aus Polen. Einige heimische Erntehelfer sind aber auch dabei.
Wieviel Hektar Weinberge können Sie mit dieser Besetzung im Durchschnitt am Tag lesen?
Etwa 0,3 Hektar können wir am Tag einholen.
Wie hoch sind die Mengen im Jahrgang 2005?
Wir sind bei ungefähr 50 Hektolitern pro Hektar angelangt. Dies ist auch der Durchschnitt der vergangenen Jahre. Wir haben auf dieses Ergebnis schon vor der Ernte hingearbeitet. Der Rebschnitt und vor allem die grüne Lese, das heißt das Herausschneiden von Trauben im Sommer, zur Qualitätssteigerung der am Weinstock verbleibenden Trauben, stehen uns da als Steuerungs-Instrument zur Verfügung.
RHEINGAU / Weingut Peter Jakob Kühn / Oestrich
Dienstag, 4. Oktober 2005
Peter und Angela Kühn
Wie viele Leute sind zur Weinlese auf Ihrem Weingut beschäftigt?
Wir haben etwa 15 Erntehelfer. Zurzeit sind dies fast ausschließlich polnische Arbeitskräfte. Wenn die Ferienzeit beginnt, gehen oft auch noch ein paar Schüler mit in die Lese. Aber jetzt noch nicht. Kunden lassen wir eigentlich nicht mitlesen – nur wenn es sich um Freunde handelt. Einen „Kunden-Weinlesetag“ als Event gibt es nicht.
Eine gestaffelte und selektive Handlese ist die Grundlage für eine optimale Weinqualität. Wie geht dies im Einzelnen von statten?
Die Lesehelfer sortieren bzw. schneiden die meiste Zeit Beeren und Trauben nach verschiedenen „Themen“ aus. Erst zu einem späteren Zeitpunkt wird der Rest des Weinbergs dann komplett geerntet. Das Selektieren geht sehr schleppend voran– je gründlicher geschaut und getrennt wird, desto langsamer ist der Fortschritt.
Für welche Weine verwenden Sie welche Lesemethode?
Spätburgunder-Weinberge werden komplett per Hand gelesen und vorher gründlich selektioniert. Rieslinge werden zu 80% per Hand gelesen. Für die Basisqualitäten (zum Beispiel einfacher Rheingau Riesling) wird, wenn es die Witterung zulässt auch die Erntemaschine eingesetzt. In manchen Jahren entfällt der Einsatz der Erntemaschine daher ganz!
Welche Sorten werden aktuell bei Ihnen gelesen? Gibt es Verschiebungen zu anderen Jahren?
Spätburgunder und Riesling werden in diesem Jahr gleichzeitig gelesen.
Für uns ist das besonders bezüglich des Rieslings eine Verschiebung nach vorne um etwa 10-12 Tage. Dies ist aber nicht nur eine Folge der günstigen Klimaverhältnisse des Jahrgangs 2005, sondern vor allem auch auf unsere Umstellung in einen ökologisch wirtschaftenden Betrieb zurückzuführen.
Wie bringen Sie Ihre Trauben vom Weinberg zum Keller?
In Edelstahlbütten, die per Stapler abgeladen werden können und die dann über einen Trichter in die unter der Maschinenhalle stehenden Keltern geschüttet werden. Die Trauben werden nicht gepumpt! Nur Schwerkraft wird eingesetzt. Edelsüße Trauben werden in einzelnen Kisten gelesen und in diesen gestapelt und zum Keller gebracht
Wie hoch sind die Mengen im Vergleich zu den vergangenen Jahren? Haben Sie auf diese Menge schon vor der Lese hin gearbeitet?
Die Mengen sind voraussichtlich etwa so hoch wie 2003 und 2004 (2003: 47 hl/ha und 2004: 43 ha/ha).
Wir beginnen bereits Ende Mai, Anfang Juni mit den ersten Ertragsminderungs-Arbeiten. Außerdem werden Weinberge in guten Lagen konsequent nur mit einem Flachbogen angeschnitten. Die Maßnahmen zur Ertragsreduzierung bzw. Qualitätssteigerung setzen sich den ganzen Sommer fort in verschiedenen Arbeitsgängen.
Wie entscheiden Sie über den Lesezeitpunkt? Welche Kriterien spielen für Sie eine Rolle?
Gesundheitszustand der Trauben. Geschmack und Aroma der Beeren. Farbe der Kerne. 100-Beeren-Probe zur Abschätzung des Mostgewichts.
Schließlich: Lage der Weinberge und Zweck für den die Trauben bestimmt sind
Franken / Weingut Juliusspital/ Würzburg
Freitag, 30. September 2005
Der Fürstenbau des Würzburger Juliusspitals
Wie waren die Witterungsbedingungen vor dem Start der Weinlese?
Am Wochenende vom 10. bis einschließlich 12. September regnete es dann wie aus Eimern mit Niederschlägen bis zu 130 mm/m². Anfängliche Freude über die Niederschläge wechselte dann zur Sorge über das plötzliche Zuviel an notwendigem Nass für die Trauben. Zum Glück unterstützte uns das Wetter mit trockenen Tagestemperaturen bis zu 24° C und sehr kühlen Nachttemperaturen, die nicht selten 5° C unterschritten. Das förderte enorm das Abtrocknen des Lesegutes und die weitere Reifeentwicklung, insbesondere bei den Rotweinrebsorten und dem Müller-Thurgau. Ständig waren Winzermeister und Kellermeister mit Refraktormeter für die Öchslemessungen und Messgerät für die Weinsäuremessungen unterwegs, um ja nicht den richtigen Erntezeitpunkt zu verpassen. Schließlich wollen wir bei unseren Gutsweinen frische Traubenaromen für knackige und saftige Weine.
Wir war Ihr Start in den Weinherbst?
Genau zum kalendermäßigen Herbstbeginn am 21. September und mindestens eine Woche früher als üblich, startete Knall auf Fall die Weinlese im Juliusspital mit allem, was Fahren, Laufen und Trauben abschneiden konnte. Das war auch sehr wichtig, wie die anschließende Reifeentwicklung zeigen sollte. Bei bestem Wetter konnten so alle Frühsorten, wie z. B. Müller-Thurgau und die Rotweine, aber auch schon ein Teil der Weißburgunder-Kabinettweine gesichert werden. Mit der schlagkräftigen und trotzdem sehr schonenden Traubentechnologie des Juliusspitals, die bereits im Vorjahr ihre Feuertaufe hinter sich gebracht hatte war die weitere Verarbeitung eine wahre Freude.
Das Wochenende zu Beginn des Monats Oktober und die angesagte Schönwetterphase kommen gerade recht, um dem wichtigen Silvaner noch etwas physiologische Reife zu gönnen, und damit dieser noch einige Öchsle sammeln kann.
Die bisherigen Ergebnisse sind sehr hoffnungsvoll. Alle Weine bewegen sich im höchsten Qualitätsweinbereich oder sogar im Prädikatsweinbereich bis zu stattlichen Spätlesen. Die Gesamtsäuren sind moderat und bestechen mit einem hohen Anteil der geschmacklich angenehmen Weinsäure. Ein zügiger Gärstart füllt die Kellerräume bereits jetzt mit fruchtigen, frischen und teils exotischen Düften. Die gezügelte Gärung wird uns den Erhalt dieser Aromen für die späteren Weine garantieren.
Wie hoch liegen schätzungsweise die Erträge des Jahrgangs 2005?
Die Ernteerträge liegen im absoluten Zielkorridor. Alles andere hätte verwundert, schließlich sind unsere Önologen mit den Weinbergsmeistern schon seit dem frühem Sommer und in regelmäßigen Abständen mit Traubenzählen, Beerenzählen, Beerenwiegen und den dazugehörigen Hochrechnungen für die zu erwartende Qualität und Erntemenge unterwegs. Seit mehr als 15 Jahren praktizieren wir das bereits im Juliusspital und haben uns da bereits viel Erfahrung und viel Wissen angeeignet.
Jetzt freuen wir uns auf die zweite Lesewelle mit unserem fränkischen Paradepferd Silvaner, den wir auf ca. 43 % unserer Rebflächen anbauen. Bei den Ertragsschätzungen und Qualitätsmessungen gehört natürlich auch das kritische Verkosten der Beeren mit dazu. Drücken Sie uns die Daumen, dass alles so gut klappt wie bisher...!
Aber gerne!
Kontakt:
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http://www.vdp.de/2004/deutsch/weindepesche_detail.php?id=170
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